Von einem, der auszog, ehrlich zu sein
Spannende Idee. Einfach mal immer ehrlich sein. Einfach? Eher nicht. Vorab: Jürgen Schmieder wird nicht mein bester Freund werden. Weder vor, noch nach seiner Wandlung zum besseren – ehrlicheren – Menschen. Es dauert bis zum letzten Kapitel, bis Schmieder einsieht, was bis dahin zwischen den Zeilen steht: “Ich bin ein Arsch.” Nichtsdestotrotz teilen wir viele Ansichten, allein schon der Abschnitt zum Thema Spazieren/Schlendern ist Grund genug, das Buch zu lesen. Leider ist das Buch sonst oft ziemlich ziellos und “so dahingeschrieben”, selbst sprachlich manchmal erstaunlich holperig für einen Journalisten (“…geht in Arbeit…”), oft werden Sachen angedeutet, die offenbar Insidern vorbehalten sind oder sein sollen, gerne wiederholt sich Schmieder. Beim Lesen hat man den Eindruck, Schmieder bereitet großes vor, tatsächlich plätschert der Rest dann vor sich hin. Die große Wandlung von Arsch zu ewas weniger Arsch beginnt ziemlich weit auf der Arsch-Seite und bleibt letztlich (etwas weniger weit) dort (HA! DAS war ehrlich). Das Buch ist eher eine Ansammlung von Kolumnen als ein Gesamtwerk. Spannend ist allerdings schon die Vorstellung, seinen Mitmenschen trotz der möglichen unangenehmen Folgen deutlicher zu sagen, was man denkt.
Also unterm Strich eine spannende Idee, die Umsetzung könnte besser sein, aber dann doch lesenswert.